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50 Jahre SC Fortuna Bonn – Teil 28

Die Saison 1996/97

Nach der völlig enttäuschenden Vorsaison, in der man eigentlich den Aufstieg angepeilt hatte, am Ende aber nur einen unteren Tabellenplatz belegen konnte, sollte im Spieljahr 1996/97 wieder alles besser werden. Zwar hielt Trainer DETLEF HALFEN einen Platz unter den Top 5 der Liga für realistisch, dennoch war er nach der Vorsaison vorsichtig geworden und wollte erstmal die Hinrunde abwarten, bevor er wieder zum Angriff auf die vordersten Tabellenplätze ausrief. Vor allem im Sturm sah er Probleme auf das Team zukommen. So hatten THOMAS BUTSCHEID und JÖRG KRÜMMEL ihre Fußballschuhe an den Nagel gehangen, STEFAN GROßE-ONNEBRINK fiel noch lange mit einer schweren Verletzung aus und auch TEDDY MIEBACH konnte man nicht ständig vom Rücktritt seines Rücktritts überreden. Auch Detlef Halfen selbst wollte nicht mehr auf den Platz zurück sondern vielmehr ausschließlich vom Seitenrand die Kommandos geben.

Unter den sieben Neuzugängen sind hier vor allem SIMON WIEBELHAUS und MICHAEL FARIVAR, die aus Buschdorf ins Wasserland kamen, zu nennen. Beide sollten wahre Fortuna-Helden werden, die in keiner Vereinschronik fehlen dürfen. Während Michael in 170 Spielen seine Knie und Knochen für die Fortuna völlig zerstörte und im späteren Verlauf sich lange um die Finanzen bei der Fortuna kümmerte, trug Simon 351 mal das Fortuna-Trikot, blieb gegenüber vielen Abwerbungsversuchen standhaft und erschuf den „MYTHOS VIERTE“ (darüber in der Chronik später mehr). Während Michi aufgrund seiner Knochen tatsächlich nicht mehr gegen einen Ball treten darf, kann man Simons fußballerische Fähigkeiten immer noch bei der Ü40 „bewundern“.

Die Saisonvorbereitung samt einem Trainingslager mit der Zweiten Mannschaft verlief gut. Im Kreispokal kam man bis ins Halbfinale. Dort war dann allerdings gegen den Oberligisten VFL Rheinbach (1:6) Schluss. Der Saisonstart ging dann allerdings völlig daneben. Erst im vierten Spiel folgte mit einem 2:0 gegen den SV Niederbachem der erste Sieg. Danach folgten weitere Niederlagen. Eine kurze Aussprache zwischen Mannschaft und Vorstand bewirkte ein kurzes Aufbäumen, aber die weiteren Spiele wurden dann wieder völlig unnötig verloren. Zur Winterpause stand man mit nur 12 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz und damit auf einem Abstiegsplatz.

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Eine Brandrede des damaligen Senioren-Abteilungsleiters WIM BECKER in der Dezemberausgabe des Vereinsmagazin Anstoss, der die Mannschaft zu mehr Kampfgeist und Disziplin aufforderte, gleichzeitig aber auch an alle Fortunen appellierte, Ruhe zu bewahren, verlief zu Beginn der Rückrunde leider auch im Sande. Nachdem weitere Niederlagen eingefahren wurden, trat Trainer Detlef Halfen zurück. Neuer Trainer wurde PETER STAPELFELD, der zuvor drei Jahre lang die Zweite Mannschaft hervorragend und äußerst erfolgreich betreut hatte. Er stand vor der heiklen und schier unmöglichen Aufgabe, die Fortuna noch vom letzten Tabellenplatz zu holen und irgendwie noch den Klassenerhalt zu sichern.

Tatsächlich bewirkten er und die Mannschaft im Saisonendspurt ein kleines Wunder. Aus den verbleibenden neun Spielen konnten 21 Punkte gesammelt und so tatsächlich der Abstieg noch abgewandt werden. Am Ende stand man auf 33 Punkte und durfte sich auf ein weiteres Jahr Kreisliga A freuen.

Der Zweiten Mannschaft kam dieser Trainerwechsel allerdings teuer zu stehen. Vor Beginn der Saison verkündete man das Ziel, sich in der Kreisliga B fest zu etablieren. Der Saisonstart lief mit dem Vorjahresschwung auch noch sehr gut, aber mit der Zeit wurde man in der Tabelle immer weiter nach unten durchgereicht. Am Ende der Saison gab es dann leider ein böses Erwachen. Völlig unerwartet stieg die Zweite Mannschaft aus der Kreisliga B ab.

Die Dritte Mannschaft stand vor allem aufgrund von großer Spielerfluktuation vor einer ganz schweren Saison. Dem Verein war es wichtig, nach dem Verlust der Vierten Mannschaft, zumindest die Dritte weiterhin im Verein zu halten. Dies ging in dieser Saison aber nur mit der Unterstützung von oben, durch die Erste bzw. Zweite. Da sich der dünne Spielerkader während der Saison aber immer weiter lichtete, langte es am Ende nur für den vorletzten Tabellenplatz.

In der Jugendabteilung gingen mittlerweile 18 Wettkampfmannschaften an den Start. Die Zahl der Mannschaften stellte den Jugendvorstand vor hohen Herausforderungen. Hinzu kam, dass der Abteilungsvorsitz leider ständig wechselte bzw. es keiner machen wollte. Nachdem LUDWIG WOLF kurzfristig kommissarisch eingesprungen war, leitete in dieser Spielzeit ERICH GOEBELS kommissarisch die Jugendabteilung. Zwar hatte er mit MICHAEL HAGENBURGER (stv. Abteilungsleiter), WERNER SIMON (komm. Geschäftsführer), OLIVER C. DANIELS (stv. Geschäftsführer), HERMANN DANIELS (Kassierer), TEDDY MIEBACH (stv. Kassierer) und MARC EHORN (Materialwart) fleißige Mitstreiter, aber gerade auf seiner Position musste kurzfristig eine Konstante gefunden werden.

Trotz diesen hohen Herausforderungen betrieb die Fortuna herausragende Öffentlichkeitsarbeit. Am 01. Februar 1997 fand nach 40 Jahren Pause wieder ein KESSENICHER KARNEVALSZUG statt, an dem die Fortuna sich natürlich mit einer hohen Personenzahl beteiligte. Auch am Rosenmontagzug in Bonn war die Fortuna 1997 wieder beteiligt. Unter der damaligen Federführung von ROLF FALDERBAUM ging die Fortuna regelmäßig an Rosenmontag mit einem Fortuna-Wagen mit, um Kamelle, Strüßje und vieles mehr unter das Narrenvolk zu verteilen.

Neben dem großen Pfingstturnier, veranstaltete die Fortuna auch immer noch den Südstadt-Pokal für Senioren in der Wasserlandhalle und mehrere Jugend-Hallenturniere. Außerdem organisierte und veranstaltete die Fußballjugend am 22./23. Februar 1997 in der Josef-Strunck-Halle in Endenich ein Fußballturnier unter dem Motto „KINDER HELFEN KINDERN“ zugunsten der Kinderkrebsabteilung der Uniklinik Bonn. Der damalige Bundearbeitsminister NORBERT BLÜM hatte sich als Schirmherr für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt und übermittelte der Fortuna in der Februar Ausgabe des Anstosses seinen großen Dank.

Neben vielen Erfolgen und Trophäen, reifen in den einzelnen Jugendmannschaften stetig große Talente heran, von denen viele später mal wichtige Stammspieler bei den Senioren werden und auch selber den Kindern das Fußballspielen beibringen sollten. Beispielsweise feierten die damaligen C1-Junioren mit Spielern wie PHILIPP WENNEMER (jahrelang Jugendtrainer und heute sportlicher Leiter), JAKOB BÖCKING (jahrelang Jugendtrainer), KONSTANIN OEKERS (jahrelang Jugend- und auch Seniorentrainer) oder MARCEL LAMMERSKITTEN (jahrelang und auch heute noch Jugendtrainer) große Erfolge (siehe Bild). Während man in der Saison 1996/97 mit dem Trainer- und Betreuergespann OLIVER C: DANIELS, JÜRGEN KRÄMER und BERND EFFERTZ noch knapp die Möglichkeit der Bezirksliga-Aufstiegsberechtigung in einem Entscheidungsspiel verspielte, gewann man im darauffolgenden Jahr auch unter Anleitung des neuen Co-Trainers MARKUS WOLF den Kreispokal und die Meisterschaft.

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Fortunas C1-Jugend aus der Saison 1996/1997

hinten von links nach rechts: Betreuer Bernd Effertz, Domenic Benz, Edgard Onema, Thomas Lenze, Philipp Wennmer, Musitu Kumuini, Mario Krebs, Trainer Jürgen Krämer, Trainer Oliver C. Daniels

vorne von links nach rechts: Jan Winzen, Konstantin Oekers, Marcel LAmmerskitten, Thomas Schweitzer, Torsten Effertz, Jakob Böcking, Andreas Wirtz, Kalle Daniels, Fabien Touati

Es fehlen: Javuz Colak, Sebastian Judel, Bernard Ohse, Daniel Ott

 

Auch die damalige A-Jugend, mit Spielern wie TOBAIS VANDIEKEN (heute Filmstar im deutschen Fernsehen), ROBERTO MOLINA (der Anstoss schrieb damals über ihn: „Quoten der Treffer beim Einlauf eines Pferderennens sind sicherer, als die, auf das Erscheinen von Roberto Molina beim A-Jugend-Training zu wetten), STEFAN LAßLOP (heutiges Vorstandsmitglied) oder FLORIAN NUSCHE (später auch unter CORNIDES bekannt) hatte unfassbar viel Potential, brachte den Trainer WERNER SIMON aber regelmäßig zur Verzweiflung. Während man Aufstiegsaspiranten zweistellig deklassieren konnte, gönnte man in anderen Spielen den Mannschaften aus den unteren Regionen regelmäßig die Punkte. Fassungsloser machte den Trainer aber die ständige Situation, nicht genügend Fortbewegungsmittel zu den Auswärtsspielen zu haben. Teilweise reisten Spieler mit Bus und Bahn zu diesen an und mussten sich dann vom Werner Geld für die Rückfahrt leihen. Auch sein großes WERNERMOBIL konnte da keine Abhilfe schaffen. Vor dieser Saison gelang diesem Team übrigens die für die Zukunft wohl mit wichtigste Neuverpflichtung der Vereinsgeschichte. Mit HENNING ARP kam der heutige Abteilungsleiter von Hertha Rheidt zur Fortuna.

Auch zu Turnieren ins Ausland ging es weiterhin mit großer Begeisterung. 1997 reiste die B-Jugend nach Lloret de Mar.

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Fortunas B-Jugend in Lloret de Mar

Stehend von links nach rechts:

Joop Voskamp (Trainer), Lut Enis, Sven Hering, Adal Abraham, Stephan Simon, Eugen Rhadas, Stephan Wasmuth, Teddy Miebach (Trainer)

Kniend von links nach rechts: Kai Schwanenberg, Thomas Kaltscheuer, Jost Voskamp, Christian Horlitz, Wupshet „Pixi“ Mekere, Daniel Hafner

Im Hintergrund mit Fortuna-Fahne: Marc Ehorn 🙂