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50 Jahre SC Fortuna Bonn – Teil 36 (Teil 1)

Die Saison 2004/2005

Nach sechs tollen und erfolgreichen Jahren trennten sich am Ende der vergangenen Saison die Wege von UWE KÜRTEN und der Fortuna. Aber nicht nur Uwe hörte auf, sondern auch Co-Trainer MEHMET AYDOGDU verließ die Fortuna und Betreuer GERD RÖSBERG gab seinen Rücktritt bekannt. Letzterer gründete allerdings einen Ein-Mann-Fanclub und feuerte seine Fortuna mit reichlich Fortuna-Fan-Utensilien jedes Spiel lautstark an. Für den Seniorenvorstand galt es nun ein neues Trainer- und Betreuerteam zu finden. Hatte BODO ULRICH vor sechs Jahren mit der Verpflichtung von Uwe Kürten schon ein gutes Händchen bewiesen, sollte ihm für diese Spielzeit ein absolutes Meisterstück gelingen. So präsentierte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht seinen Vorstandskollegen in der Sommerpause den ehemaligen Profi VLADIMIR LIUTYI als neuen Trainer für die Erste Mannschaft.

Vladimir „Vladi“ Liutyi war ehemaliger ukrainischer-sowjetischer Nationalspieler und lief in seiner Profikarriere u.a. in der Bundesliga für den VFL Bochum, den MSV Duisburg und den FC Schalke 04 auf. Mit der Fußballnationalmannschaft der UdSSR wurde er 1988 Olympiasieger. Außerdem nahm er an je einer Welt- und Europameisterschaft teil. Damit sich Liutyi in das Wasserland und in die Fortuna schnellstmöglich eingewöhnen konnte, stellte man ihm mit KLEMENS TSCHINKEL die perfekte Ergänzung als Co-Trainer an seine Seite. Liuty persönlich präsentierte mit Masseur SASCHA FRENKEL dann auch noch einen Ersatz für Gerd Rösberg. Dem Vorstand war es somit gelungen, für einen erstklassigen Trainer- und Betreuerstab für die Erste Mannschaft zu sorgen.

Auch innerhalb der Mannschaft kam es zu einigen Änderungen. Unter anderem konnten einige Fortunen den Hilferufen des alten Trainers nicht widerstehen und brachen ihre Zelte im Wasserland ab und folgten Kürten nach Oedekoven. Insgesamt sank der Altersdurchschnitt im Kader dramatisch, so dass Spieler wie WIEBELHAUS, DAMASCHEK oder LAßLOP mit ihren um die 26 bis 28 Jahren auf einmal zum alten Eisen gehörten. Neues junges Blut gab es auch im Kader. So kam aus der eigenen Jugend ACHIM GIERING JÄNTSCH, der schon beim Aufstieg der Zweiten Mannschaft im vergangenen Jahr erfolgreich mitgeholfen hatte, ANDREAS NACHTSHEIM, der eigentlich schon im Jahr zuvor frühzeitig zum Senior erklärt wurde, und ANDREAS GRUNEWALD sowie JAN MEYER zur Ersten Mannschaft hoch. Mit DEVYD GOUSSANOU (vom FV Bad-Honnef) sowie DENNIS BÖRNER (von RW Lessenich) fanden zwei weitere A-Jugendliche ihren Weg zurück zur Fortuna. Außerdem kehrte LUTZ UDALLY nach seinem Trip nach Mondorf zurück ins Wasserland. Darüber hinaus brachte Liutyi mit Torwart WOLODYMYR WINNITSCHENKO und Stürmer VADIM „DIMA“ PAVLOV noch zwei „Gastgeschenke“ mit zur Fortuna.

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Die Fortuna sah sich somit gut gerüstet für die Saison, sah das kommende Jahr aber auch ganz klar als ein Übergangsjahr an, in der sich das Trainerteam und die Mannschaft finden mussten. Denn schon nach wenigen Wochen war klar, dass sich einiges bei der Fortuna ändern sollte. Alteingesessenen Fortuna-Spielern wurde vor Augen geführt, dass die normalen Trainingseinheiten auch mal die zwei Stunden überdauern können und dass es weitaus mehr als den altbekannten fünf Trainingsübungen gab. Überrascht waren aber auch die Neuzugänge, wie viele Liegestütze man in einer Trainingseinheit machen konnte. Nach jedem Fehlschuss und jedem ungenau gespielten Pass schallte es über den Platz: „10 Liegestütze bitte!“ Da kam man locker auf seine 150 bis 200 Liegestütze pro Training und reichlich schmerzendem Muskelkater – und das Aufwärmprogramm mit diversen Sprungübungen war da noch gar nicht mit dabei. Doch es sollte sich auszahlen! Nach wenigen Wochen stellten entzückte Spielerfrauen und-freundinnen fest, dass sich die Brustumfänge der Geschundenen mindestens verdreifacht hatten. Aber selbst die alten Weisen am Spielfeldrand mussten schon bald zugeben, dass die Mannschaft sich nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch und taktisch um Längen verbessert hatte. Auch die 1,5 Stunden langen Mannschaftssitzungen hatten sich erledigt, denn der neue Trainer war kein Freund der großen Worte oder von Fußball-Fachchinesisch. Liutyi bevorzugte die einfache Sprache, die wirklich jeder verstand: „Sie müssen Gegner den Kopf abreißen und zerstören“!

Trotz schweißtreibenden Trainingseinheiten und toller Stimmung innerhalb des Kaders war der Start in die Saison dennoch beschwerlich. In Meindorf erreichte man zwar noch das Finale (Niederlage gegen Oberkassel), beim Turnier in Pech war allerdings schon in der Vorrunde Schluss. Auch im Kreispokal verabschiedete man sich schon nach der ersten Runde und einer deutlichen Niederlage gegen Rheinbach (0:4). Auch in der Meisterschaft startete man mit einer Niederlage. Danach wechselten sich Siege, Unentschieden und Niederlagen regelmäßig ab. Zur Winterpause belegte die Erste Mannschaft den sechsten Tabellenplatz mit 26 Punkten und 33:24 Toren.

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Die Rückrunde ähnelte zunächst der Hinrunde: Siege, Niederlagen und Unentschieden wechselten sich munter ab, wobei in einigen Spielen deutlich mehr drin gewesen wäre, wenn man vor dem Tor kaltschnäuziger gewesen wäre. Doch je länger die Saison dauerte, desto besser fand das Team zusammen und verstand das Spielsystem von Liutyi. Am Ende der Saison belegte man mit 56 Punkten und 64:43 Toren einen tollen dritten Tabellenplatz. Kaum auszudenken, was möglich gewesen wäre, wenn man in der Rückrunde nicht mit großem Verletzungspech, das sogar den Trainer dazu zwang in einigen Spielen auflaufen zu müssen, zu kämpfen gehabt hätte. Die Chef-Kritiker vom Spielfeldrand waren mit der Saison jedenfalls hochzufrieden. Alle merkten, dass sich da etwas entwickelte. Gerade die jungen Spieler gewöhnten sich immer mehr an das raue Senioren-Dasein und wuchsen als wichtige Leistungsträger heran. Mit dem Trainer prognostizierten alle der Fortuna eine glänzende Zukunft.

Nach einer nervenaufreibenden Relegationsrunde in der vergangenen Spielzeit hatte die Zweite Mannschaft der Fortuna es endlich geschafft, in die Kreisliga B aufzusteigen. Um auch in dieser Spielklasse gut mithalten zu können und schnellstmöglich den Klassenerhalt zu schaffen, holte sich Trainer JOCHEN ACHNITZ Unterstützung am Spielfeldrand. ERICK GOURIOU wurde neuer Co-Trainer bei der Zweiten und galt von nun an als Schleifer der Wasserlandes. Das auch Zweite Mannschaften guten Fußball spielen können und keineswegs als Kanonenfutter abgestempelt werden durften, musste die gesamte Kreisliga B schmerzlich feststellen. Schon in der Hinrunde spielte man tollen Fußball und man distanzierte sich zur Winterpause mit einem siebten Platz bei 20 Punkten und 32:18 Toren schon früh von den Abstiegsrängen. Auch in der Rückrunde spielte man stark auf und schnupperte sehr zum Leidwesen des Trainerteams zwischenzeitlich sogar an den Aufstiegsrängen in die Kreisliga A. Am Ende hatte man jedenfalls mit 44 Punkten, 58:59 Toren und einem siebten Tabellenplatz nichts mit dem Abstieg zu tun.

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Nach dem Abstieg in die Kreisliga D war die Marschroute für die Dritte Mannschaft in der Saison 2004/2005 ganz klar: Rückkehr in die Kreisliga C. Doch die Truppe brachte Trainer TEDDY MIEBACH mehrfach zur Weißglut. Spielerische Überlegenheit konnte man viel zu selten in drei Punkte ummünzen, so dass man zur Winterpause schon vier Punkte auf einem Aufstiegsplatz zurücklag. Weitere „Katastrophenspiele“ zu Beginn der Rückrunde führten dann, sehr zum Ärgernis des Trainers, zu einer konspirativen Sitzung der kompletten Mannschaft hinter dem Rücken des Trainers. Aus dieser ging dann jedoch hervor, dass die Schuld an der Misere einzig und allein innerhalb des Teams zu suchen war und das man sich jetzt gefälligst den A… aufreißen wollte. Nach einer wiederum schwachen Leistung gegen den Tabellenletzten, aus der aber zumindest in letzter Sekunde noch ein 1:0-Sieg hervorging, folgte das Spiel gegen den souveränen Spitzenreiter. Ein Spiel, in dem es grundsätzlich nur darum ging, sich nicht abschießen zu lassen, wurde nach einer ganz starken Leistung gewonnen. Im Anschluss an diese Partie wurde kein einziger Punkt mehr abgegeben, so dass man am Ende tatsächlich noch mit 47 Punkten und 75:32 auf den zweiten Tabellenrang sprang und somit in die Kreisliga C aufstieg.